Glossar · Notariat & Recht

Wegerecht

Auch: Geh- und Fahrrecht, Notwegrecht

Grundbucheintragung, die einem Nachbarn oder Dritten erlaubt, ein fremdes Grundstück zu betreten oder zu befahren.

Das Wegerecht ist eine der häufigsten Grundbucheintragungen in Abteilung II. Es betrifft fast jedes Hinterlieger-Grundstück und alle Flächen mit gemeinsamen Zufahrten.

Form und rechtliche Wirkung

Für Makler bedeutet das: Du prüfst bei jeder Objekt-Akquise das Grundbuch auf eingetragene Wegerechte. Sie können zugunsten des Nachbarn (Geh-, Fahr- oder Leitungsrecht) oder zugunsten der Gemeinde bestehen. Die Eintragung erfolgt als Grunddienstbarkeit in Abteilung II.

Die rechtliche Wirkung ist dauerhaft – das Wegerecht bindet jeden künftigen Eigentümer. Es kann nur mit Zustimmung des Berechtigten gelöscht werden. Eine Verlegung des Wegs ist nach §1023 BGB möglich, wenn sie für den Berechtigten zumutbar ist und der belastete Eigentümer die Kosten trägt.

Praxis und Bewertung im Verkauf

Im Verkaufsgespräch erklärst du dem Käufer transparent, was das Wegerecht bedeutet: Wer darf wann das Grundstück betreten oder befahren? Welche Pflichten gelten? Wer trägt die Unterhaltskosten für den Weg? Eine klare Erklärung beruhigt Käufer und verhindert spätere Streitfragen.

Bei der Wertermittlung berücksichtigst du das Wegerecht im Abschlag. Ein vielbefahrenes Wegerecht (täglicher Durchgangsverkehr von 5 Familien) wirkt sich anders aus als ein einmal jährlich genutztes Wegerecht für die Müllabfuhr.

Im Exposé wird das Wegerecht nicht versteckt, sondern offen kommuniziert. Käufer, die es nach Vertragsschluss erfahren, fühlen sich getäuscht – ein Risiko für Schadenersatz und Provisionsverlust. Eine offene Kommunikation zusammen mit dem Leitungsrecht und anderen Dienstbarkeiten gehört zur soliden Verkaufsabwicklung.

Häufige Fragen

Zu Wegerecht

Worin liegt der Unterschied zwischen Wegerecht und Notwegrecht?+

Das Wegerecht ist eine vertraglich vereinbarte Grunddienstbarkeit, im Grundbuch eingetragen. Das Notwegrecht entsteht gesetzlich nach §917 BGB, wenn ein Grundstück keine Verbindung zum öffentlichen Weg hat. Letzteres ist nicht zwingend grundbucheingetragen.

Wie beeinflusst ein Wegerecht den Verkehrswert?+

Negativ. Ein belastetes Grundstück verliert oft 5 bis 15 Prozent des Werts, je nach Intensität der Nutzung. Ein berechtigtes Grundstück (das das Recht ausübt) gewinnt entsprechend.

Kann ein Wegerecht gelöscht werden?+

Ja, mit Zustimmung des Berechtigten und notarieller Löschungsbewilligung. Bei Nichtnutzung über 30 Jahre kann es theoretisch verfallen, in der Praxis bleibt der Eintrag aber meist bestehen. Eine Löschungsvereinbarung gegen Entschädigung ist üblich.

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