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Makler-Mindset 2026: Warum die Profession neu gedacht werden muss

Klassische Maklerprozesse stoßen an Grenzen. Was 2026 wirklich zählt, und warum Tools allein nicht reichen.

Tobias Troendle

Tobias Troendle

Immobilienmakler · Stuttgart

Makler-Mindset 2026: Warum die Profession neu gedacht werden muss

Ich rede mit vielen Maklerkollegen. Und ich höre denselben Satz zu oft: „Früher lief das anders." Stimmt. Aber wer den Beruf 2026 noch wie 2015 betreibt, hat ein Problem. Hier ist, was sich in der Branche gerade wirklich verschiebt, und was sie bisher lieber ignoriert.

Was sich strukturell verschiebt

Drei Verschiebungen, die du nicht aussitzen kannst:

Käufer sind besser informiert als du. Drei Apps auf dem Handy, zehn Portale gleichzeitig im Browser, Echtzeit-Bewertungen, Lärm-Karten, Schulbezirks-Auswertungen. Wer als Makler noch glaubt, er habe einen Informationsvorsprung, irrt sich. Was noch bleibt, ist die Erfahrung in der Einschätzung, nicht der Zugang zu den Daten selbst.

Eigentümer akzeptieren Intransparenz nicht mehr. Sie wollen wissen, was du tust. Sie wollen sehen, wer angefragt hat. Sie wollen Engagement-Daten, kein „läuft gut, vertrauen Sie mir". Wer nur monatlich anruft und sagt „wir sind dran", verliert Aufträge an Makler mit Portalen.

Die Provisionsdiskussion ist da. Seit § 656c BGB die Provisionsverteilung neu regelt, ist „3,57 % Käuferprovision selbstverständlich" Geschichte. Eigentümer fragen, wofür sie zahlen. Sie wollen Leistungsbündel verstehen, keine Pauschalsätze.

Was 2026 wirklich Maklerleistung ist

Das alte Bild: Makler vermittelt Käufer und Verkäufer. Bringt sie zusammen, kassiert.

Das neue Bild sieht so aus:

  1. Marktanalyst. Du erklärst Marktdaten, Mikrostandort, Zinslage. Du verkaufst nicht nur das Objekt, du verkaufst Marktverständnis.
  2. Prozessmoderator. Du moderierst zwischen Verkäufer (oft emotional), Käufer (oft unsicher), Bank, Notar, Steuerberater. Das ist die eigentliche Arbeit.
  3. Risikomanager. Du identifizierst Sanierungspflichten, steuerliche Fallen, juristische Stolperstellen. Du verhinderst, dass nach dem Notartermin Rechtsstreitigkeiten entstehen.
  4. Vertrauensanker. In emotionalen Lagen (Erbe, Scheidung, Insolvenz) bist du der ruhige Pol. Das ist nicht trivial.

Wer nur die alte Vermittlung macht, ist 2030 ersetzt, durch Apps, Portale, KI-Plattformen.

Warum Tools allein nicht reichen

Ein häufiger Reflex: „Ich kaufe mir ein CRM, dann passt das." Falsch. Tools sind notwendig, aber nicht hinreichend.

Was darüber hinaus zählt, ist das Mindset:

  • Transparenz statt Schwarzes-Loch-Vermarktung. Eigentümer haben rund um die Uhr Einblick.
  • Geschwindigkeit statt „melde mich nächste Woche". 24-Stunden-Antwort ist Standard, keine Ausnahme.
  • Datenbasiertes Argumentieren statt Bauchgefühl. Wer 2026 mit „mein Gefühl sagt mir" argumentiert, verliert gegen den Kollegen mit Engagement-Daten.
  • Ehrliche Beratung statt Verkaufsdruck. Wenn der Preis zu hoch ist, sag es. Wenn das Haus nicht zur Familie passt, sag es. Kurzfristig kostet das, langfristig zahlt es auf Empfehlungen ein.

Das Mindset kommt zuerst. Das Tool macht es skalierbar.

Wer ausgespielt sein wird, und wer profitiert

Drei Maklertypen, die in den nächsten Jahren verschwinden:

  • Der Wochenmarkt-Makler. Macht 2 bis 3 Verkäufe pro Jahr nebenher, kein digitales Setup, keine Bewertungen online. Wird unsichtbar.
  • Der Provisionsmaximierer. Lebt von 7,14 % pro Deal, ohne klare Leistungsbeschreibung. Erodiert im Verhandlungsdruck.
  • Der Schwarzes-Loch-Makler. Ruft alle zwei Wochen an, „wir sind dran", keine echten Daten für Eigentümer. Verliert Aufträge an Portalmakler.

Drei Typen, die profitieren:

  • Der spezialisierte Makler. Tiefes Wissen in einer Nische (Stuttgart-Süd, Mehrfamilienhäuser, Erbschaftsverkäufe). In seinem Segment klar sichtbar.
  • Der Datenmakler. Nutzt echte Marktdaten, eigene Engagement-Zahlen, transparente Vermarktung. Eigentümer wissen, was sie bekommen.
  • Der menschliche Makler. Versteht, dass es in 80 % der Fälle um Emotionen geht: Trauer, Stress, Familienkonflikte. Tools im Hintergrund, Menschlichkeit im Vordergrund.

Was du diese Woche machen kannst

Drei konkrete Schritte:

  1. Geh durch deine letzten 5 Verkäufe. Welche hätten besser laufen können, durch besseres Datenargumentieren, durch früheres Eingreifen, durch transparentere Kommunikation? Ehrlich.
  2. Frag drei deiner letzten Eigentümer, was sie an dir geschätzt haben und was sie verbessert hätten. Mündlich, nicht per Umfrage.
  3. Schau dir ein Käuferportal an. Es muss nicht Portalist sein. Aber wer sich diese Welt nie angesehen hat, kann nicht mitreden.

Veränderung passiert nicht über Nacht. Aber sie passiert.

Was Portalist dabei macht

Portalist ist keine weitere Tool-Schicht oben drauf. Es ist die operative Grundlage für das neue Maklermindset: Eigentümerportal, Käuferportal, Engagement-Daten in Echtzeit, transparente Prozessschritte. Wir bauen das, damit Makler 2026 die Profession ausüben können, die sich gerade neu definiert.

Tobias Troendle

Geschrieben von

Tobias Troendle

Immobilienmakler in Stuttgart und Gründer von Portalist. Ich schreibe über Digitalisierung, Kundenportale und alles, was Maklern hilft, professioneller zu arbeiten.

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