Digitale Zwillinge sind in der Immobilienwelt angekommen – allerdings in sehr unterschiedlicher Tiefe. Für Makler reicht oft eine einfache 3D-Tour, für Bestandshalter und Bauträger geht die Technologie deutlich tiefer.
Was ein digitaler Zwilling kann
Im einfachsten Fall ist ein digitaler Zwilling eine begehbare 3D-Tour eines Objekts, ergänzt um Maße, Grundrisse und Detailaufnahmen. Käufer können das Objekt von jedem Ort der Welt aus durchschreiten und sich einen verlässlichen Eindruck verschaffen. In der höchsten Ausbaustufe verschmilzt das 3D-Modell mit BIM-Daten aus der Bauplanung, technischen Sensordaten aus dem laufenden Betrieb (Heizung, Lüftung, Stromverbrauch) und Verwaltungsdaten aus einer Property-Management-Software. Solche Vollzwillinge sind aktuell vor allem im gewerblichen Bestand interessant, etwa für ESG-Reportings oder Sanierungsstrategien.
Wie Makler die Technologie einsetzen
Für die meisten Wohnimmobilien reicht eine professionelle 3D-Tour, etwa mit Matterport-Kameras. Sie ist schnell erstellt (zwei bis vier Stunden Aufnahme pro Objekt), kostet überschaubar und liefert spürbaren Mehrwert in der Vermarktung. Auslandsinteressenten können sich ein Bild machen, ohne anreisen zu müssen. Käufer im engen Vorauswahl-Prozess können ein Objekt mehrfach virtuell betreten, bevor sie sich für einen physischen Besichtigungstermin entscheiden.
In der Eigentümer-Beratung wirkt ein digitaler Zwilling als Qualitätssignal: Wer in diese Technik investiert, signalisiert Premium-Vermarktung. Im Verkaufsgespräch zeigst du den Mehrwert anhand der höheren Conversion-Raten der eigenen Inserate – Objekte mit 3D-Tour erhalten in der Regel deutlich mehr qualifizierte Anfragen als reine Bildgalerien. Praktischer Vorteil: Der digitale Zwilling reduziert die Zahl der „Bummelbesichtigungen" – Käufer, die das Objekt nur einmal aus Neugier sehen wollen, sortieren sich selbst aus. Übrig bleibt die qualifizierte Zielgruppe für den virtuellen Besichtigungstermin und die anschließende physische Besichtigung.