Glossar · Flächen & Bewertung

Sachwertverfahren

Auch: Cost Approach, Sachwert

Bewertungsmethode auf Basis der Wiederbeschaffungskosten – Standard bei Sonderimmobilien ohne Vergleichswerte.

Das Sachwertverfahren ermittelt den Wert einer Immobilie über die fiktiven Kosten, die Wiederherstellung kosten würde – ergänzt um den Bodenrichtwert. Es ist die Methode der Wahl bei Objekten ohne ausreichende Vergleichsdaten.

Was Makler bei Sonderimmobilien wissen müssen

Bei einem Einfamilienhaus in einer kleinen Gemeinde ohne Vergleichsverkäufe oder bei einem Industriebau mit individueller Nutzung greift das Sachwertverfahren. Die Logik: Was würde es kosten, dieses Gebäude heute neu zu bauen? Abzüglich Alterswertminderung über die Restnutzungsdauer ergibt sich der Gebäudesachwert.

Wichtig ist der Marktanpassungsfaktor. Er korrigiert die theoretischen Herstellungskosten zur realen Marktnachfrage. Bei Mehrfamilienhäusern in attraktiven Lagen liegt der Faktor oft bei 1,1 bis 1,3. Bei Sonderbauten in schwachen Lagen kann er auf 0,5 sinken – das ergibt einen Marktwert deutlich unter den Herstellungskosten.

Im Eigentümergespräch positionieren

Bei Eigentümern von Sonderimmobilien ist das Sachwertverfahren oft die einzige seriöse Bewertungsbasis. „Ihr Haus wurde 1980 für 800.000 DM gebaut – was ist es heute wert?" Die Sachwert-Logik gibt eine erste Annäherung, aber der Marktwert kann deutlich abweichen.

Wichtig im Gespräch: Die Gesamtnutzungsdauer und Restnutzungsdauer sauber dokumentieren. Bei einem 1970er-Bau mit Gesamtnutzungsdauer 80 Jahre ist die Restnutzungsdauer 25 Jahre – die Alterswertminderung liegt bei rund 70 %. Wer das im Eigentümergespräch nachvollziehbar erklären kann, schafft sofort Vertrauen und vermeidet unrealistische Preiserwartungen.

Häufige Fragen

Zu Sachwertverfahren

Wann wird das Sachwertverfahren angewendet?+

Bei Einfamilienhäusern ohne ausreichend Vergleichsdaten und bei Sonderimmobilien wie Schlössern, Reithallen oder einzelnen Industriebauten. Auch bei sehr individuellen Premium-Objekten ohne Marktvergleich ist es üblich.

Was geht in die Sachwert-Berechnung ein?+

Bodenwert (Bodenrichtwert mal Fläche), Gebäuderegelherstellungskosten, abzüglich Alterswertminderung. Plus eventuelle Außenanlagen. Anschließend wird ein Marktanpassungsfaktor angesetzt, der zeigt, was der Markt für solche Objekte wirklich zahlt.

Warum unterscheidet sich Sachwert oft stark vom Marktpreis?+

Weil der Markt nicht immer die Herstellungskosten zahlt – besonders bei sehr individuellen Bauten. Ein Schloss kostet 5 Millionen in der Herstellung, bringt aber am Markt vielleicht nur 2 Millionen. Der Marktanpassungsfaktor korrigiert das.

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