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Besichtigung vorbereiten: Was wirklich zählt

So bereitest du Besichtigungen vor, die Käufer überzeugen – praktische Checkliste und Profi-Tipps für Makler.

Tobias Troendle

Tobias Troendle

Immobilienmakler · Stuttgart

Besichtigung vorbereiten: Was wirklich zählt

Eine Besichtigung entscheidet in den ersten 90 Sekunden. Was danach kommt, ist Rationalisierung. Wer das verinnerlicht, bereitet anders vor – systematischer, ehrlicher, käuferorientierter.

Warum die meisten Besichtigungen verschenktes Potenzial sind

Ich sehe das immer wieder: Makler schicken Interessenten ein PDF, nennen Uhrzeit und Ort – und denken, das war die Vorbereitung. Es war nicht mal der Anfang.

Eine Besichtigung ist ein Verkaufsgespräch. Kein Hausrundgang. Der Unterschied liegt in der Vorbereitung: Was weißt du über den Interessenten? Was ist ihm wichtig? Was könnte ihn stören – und wie gehst du damit um, bevor er es selbst anspricht?

Wer das nicht durchdenkt, verliert Käufer nicht wegen der Immobilie, sondern wegen schlechtem Ablauf.

Schritt 1: Den Interessenten verstehen, bevor er ankommt

Vor jeder Besichtigung solltest du wissen:

  • Warum sucht die Person? (Eigennutz, Kapitalanlage, Generationenwechsel?)
  • Gibt es Finanzierungsklarheit – oder ist das noch offen?
  • Hat er schon andere Objekte besichtigt? Wenn ja, was hat ihn dort gestört?

Das klingt nach viel. Ist es aber nicht, wenn du nach dem Termin-Booking kurz telefonierst oder ein knappes Formular schickst. Drei Fragen reichen. Was du daraus lernst, macht den Unterschied.

Ein Interessent, der auf 90 Quadratmetern für zwei Kinder plant, braucht andere Argumente als jemand, der das Objekt vermieten will. Gleiches Haus, anderes Gespräch.

Schritt 2: Die Immobilie ehrlich einschätzen

Kennst du die Schwachstellen der Immobilie? Nicht theoretisch – sondern konkret: Was fällt auf? Was stört? Was kostet Käufer sofort Geld?

Ich empfehle, vor der ersten Besichtigung nochmal alleine durchzugehen. Ohne Verkäufer, ohne Ablenkung. Mit dem Blick des Käufers. Schreib dir auf, was du siehst.

Dann entscheide: Was kommunizierst du aktiv vorab? Was erklärst du vor Ort? Was brauchst du nicht zu thematisieren, weil es objektiv kein Problem ist – sondern nur auf den ersten Blick irritiert?

Wer Schwachstellen selbst anspricht, wirkt kompetent. Wer sie verschweigt, verliert das Vertrauen – spätestens nach der Besichtigung, wenn der Käufer googelt oder einen Gutachter schickt.

Schritt 3: Unterlagen griffbereit – und vollständig

Nichts ist peinlicher als "den Energieausweis schicke ich nach". Das klingt nach Chaos. Käufer denken sich: Wenn der schon das nicht im Griff hat, was ist dann mit dem Rest?

Vor der Besichtigung solltest du dabei haben oder direkt digital zugänglich machen:

  • Grundriss (idealerweise aktuell und maßstabsgetreu)
  • Energieausweis
  • Letzter Betriebskostenspiegel oder Nebenkostenübersicht
  • Bei Eigentumswohnungen: aktuelle WEG-Protokolle und Hausgeldabrechnung
  • Grundbuchauszug (zumindest den aktuellen Stand kennen)
  • Falls vorhanden: Sanierungshistorie, Handwerkerbelege

Wer das alles in einem Käufer-Portal bereitstellt, auf das der Interessent vor und nach der Besichtigung jederzeit zugreifen kann, hat einen klaren Vorteil: keine Nachfragen per Mail, kein "Können Sie mir das nochmal schicken?", kein Vertrauensverlust wegen fehlender Transparenz. Mit der digitalen Kaufabwicklung von Portalist lässt sich genau das strukturiert abbilden – nicht als Gimmick, sondern als echter Prozessvorteil.

Schritt 4: Die Immobilie vorbereiten

Das klingt banal. Ist es aber nicht, weil Verkäufer das oft unterschätzen – und du als Makler den Unterschied machen musst.

Was du mit dem Verkäufer klären solltest:

  • Aufräumen und entrümpeln – nicht nur "aufhübschen". Vollgestopfte Räume lassen Fläche kleiner wirken.
  • Gerüche: Haustiere, Tabak, feuchte Keller. Das ist das Erste, was Käufer wahrnehmen. Kein Verkäufer spricht das von sich aus an.
  • Lichtverhältnisse: Wann ist die Immobilie am hellsten? Terminvergabe entsprechend planen.
  • Temperatur: Im Winter warm, im Sommer nicht überhitzt. Klingt trivial, wirkt aber.
  • Außenbereich: Einfahrt und Eingang sind der erste Eindruck, noch vor dem Betreten.

Du kannst das per Checkliste an den Verkäufer schicken – am besten ein paar Tage vor dem Termin, nicht am Vorabend.

Schritt 5: Den Ablauf strukturieren

Improvisation vor Ort wirkt selten souverän. Ein klarer Ablauf hilft dir und dem Käufer.

Ich fange immer draußen an. Kurzer Überblick: Lage, was in der Nähe ist, wie die Nachbarschaft tickt. Dann ins Objekt – von oben nach unten oder von außen nach innen, konsequent. Nie springen.

Am Ende: Fragen-Runde. Nicht zwischendurch, weil das den Fluss unterbricht und dich aus dem Konzept bringt. Wer während der Besichtigung Fragen hat, kann sie notieren oder später fragen – das kommunizierst du kurz am Anfang.

Plane außerdem Puffer ein. 15 Minuten vor dem Termin vor Ort sein. Nicht zur gleichen Zeit zwei Besichtigungen ansetzen, es sei denn, du hast eine gut begründete Strategie dahinter (Bieterverfahren etc.).

Schritt 6: Der Moment nach der Besichtigung

Der wird am häufigsten vergessen. Käufer verlassen die Immobilie, fahren nach Hause – und dann? Kommt nichts. Oder nach drei Tagen eine generische Mail.

Das ist eine verschenkte Chance.

Ein kurzes Follow-up innerhalb von 24 Stunden ist Standard. Nicht "Hatten Sie einen schönen Besuch?", sondern konkret: Hast du noch Fragen? Hier sind nochmal alle Unterlagen. Wie ist der Stand bei der Finanzierung?

Wer das automatisiert und trotzdem persönlich klingen lässt, spart Zeit und bleibt präsent. E-Mail-Automation für Makler kann genau das abdecken – ohne dass du jeden Käufer einzeln manuell anschreiben musst.

Was die besten Besichtigungen gemeinsam haben

Sie sind keine Rundgänge. Sie sind Gespräche über Lebensrealitäten. Der Käufer will keine Quadratmeter kaufen – er will wissen, ob er sich hier vorstellen kann zu leben oder eine gute Investition zu machen.

Deine Aufgabe ist, das zu ermöglichen. Mit einer Immobilie, die gut präsentiert wird. Mit Unterlagen, die Vertrauen aufbauen. Mit einem Ablauf, der Kompetenz ausstrahlt. Und mit einem Follow-up, das zeigt, dass du ernsthaft arbeitest.

Wer das systematisch macht, schließt mehr Deals – nicht weil er bessere Immobilien hat, sondern weil er bessere Prozesse hat.

Tobias Troendle

Geschrieben von

Tobias Troendle

Immobilienmakler in Stuttgart und Gründer von Portalist. Ich schreibe über Digitalisierung, Kundenportale und alles, was Maklern hilft, professioneller zu arbeiten.

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