Glossar · Flächen & Bewertung

Liegenschaftszinssatz

Auch: LZS, Kapitalisierungszinssatz

Zinssatz, mit dem im Ertragswertverfahren die zukünftigen Erträge auf den heutigen Wert kapitalisiert werden.

Der Liegenschaftszinssatz ist die zentrale Stellschraube im Ertragswertverfahren. Er beschreibt die Rendite, die Investoren am Markt für ein vergleichbares Objekt erwarten – und kapitalisiert die zukünftigen Erträge auf den heutigen Wert.

Was Makler im Investorengespräch wissen müssen

Der Liegenschaftszinssatz spiegelt das Risikoprofil eines Marktsegments. Top-Lagen in München, Hamburg oder Berlin haben oft 3 bis 3,5 % – weil das Risiko gering und die Wertentwicklung stabil ist. Wohnimmobilien in mittleren Städten liegen bei 4 bis 5 %. Gewerbeobjekte in B-Lagen können 7 bis 9 % erreichen.

Im Gespräch mit Käufern hilft ein klarer Vergleichswert: „Hier üblich sind 4,5 % Liegenschaftszinssatz, bei Ihrem Reinertrag von 30.000 € ergibt das einen Ertragswert von rund 670.000 €." Solche Zahlen sind nachvollziehbar und schaffen Verhandlungsbasis.

Im Eigentümergespräch positionieren

Eigentümer von Mehrfamilienhäusern wissen oft nicht, wie der Liegenschaftszinssatz ihren Marktwert beeinflusst. Ein Anstieg von 3,5 auf 4,5 % senkt den Wert um rund 22 % – bei gleichbleibender Miete. Das war 2022 bis 2024 sichtbar: Steigende Marktzinsen drückten die Immobilienpreise, weil Investoren höhere Renditen verlangten.

Wer das im Eigentümergespräch klar erklären kann, gewinnt sofort an Glaubwürdigkeit. „Vor 2 Jahren hätten wir Ihre Immobilie zu 700.000 € verkauft – heute sind realistisch 580.000 €, weil sich der Markt verschoben hat." Diese Ehrlichkeit ist Premium-Beratung. Sie schützt den Eigentümer vor monatelanger Vermarktung am Wunschpreis – und sichert dem Makler den Auftrag bei seriös denkenden Kunden.

Häufige Fragen

Zu Liegenschaftszinssatz

Wie hoch sind typische Liegenschaftszinssätze?+

Bei Mehrfamilienhäusern in Großstädten 3 bis 4 Prozent, in mittleren Städten 4 bis 5 Prozent, in ländlichen Regionen 5 bis 7 Prozent. Bei Gewerbeimmobilien können es 6 bis 9 Prozent sein – je nach Risikoprofil und Lage.

Wer legt den Liegenschaftszinssatz fest?+

Die Gutachterausschüsse veröffentlichen Marktdaten, oft segmentiert nach Objekttyp und Lage. Bei individueller Bewertung muss der Sachverständige plausibel begründen, welchen Satz er warum ansetzt – das ist oft Verhandlungssache.

Wie wirkt sich der Liegenschaftszinssatz auf den Preis aus?+

Massiv. Bei 30.000 Euro Reinertrag und 4 Prozent Liegenschaftszinssatz ergibt sich ein Ertragswert von 750.000 Euro. Bei 5 Prozent sinkt der Wert auf 600.000 Euro – allein durch die Zinsannahme. Wer den Wert kennt, kennt den Preis.

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