Glossar · Flächen & Bewertung

Ertragswertverfahren

Auch: Income Approach, Ertragswert

Bewertungsmethode für Renditeobjekte – ermittelt den Wert über die zukünftigen Mieterträge.

Das Ertragswertverfahren ist die Standardmethode für Renditeobjekte. Es leitet den Wert einer Immobilie aus den zukünftigen Mieterträgen ab – im Gegensatz zum Vergleichswert, der auf realisierte Verkaufspreise schaut.

Was Makler bei Kapitalanlegern wissen müssen

Im Investorengespräch ist das Ertragswertverfahren der zentrale Maßstab. Käufer rechnen mit Brutto-Mietrendite und Cash-on-Cash-Return. Wer als Makler die Verfahrenslogik kennt, kann auf Augenhöhe verhandeln. Faustformel: Jahreskaltmiete x Multiplikator = Kaufpreis. Bei einem Multiplikator von 25 und 24.000 € Jahresmiete liegt der Marktpreis bei 600.000 €.

Wichtig ist die korrekte Trennung: Rohertrag ist die Bruttomiete, Reinertrag zieht Bewirtschaftungskosten ab. Banken und Investoren rechnen mit dem Reinertrag, viele Eigentümer mit der Bruttomiete – das führt zu Diskussionen über den fairen Preis.

Im Verkaufsgespräch positionieren

Bei Mehrfamilienhäusern sollte das Ertragswertverfahren die Basis jeder Verhandlung sein. Eigentümer denken oft in Quadratmeterpreisen, Investoren in Mietrenditen. Wer beide Sprachen spricht, kann zwischen den Welten vermitteln.

Praktisches Beispiel: Ein Mehrfamilienhaus mit 30.000 € Jahresmiete und Liegenschaftszinssatz von 4,5 % hat einen Ertragswert von rund 480.000 €. Eigentümer, die 600.000 € erwarten, müssen verstehen: Der Markt zahlt nicht mehr als der Ertrag rechtfertigt. Wer hier ehrlich berät, vermeidet monatelange Vermarktung ohne Ergebnis – und schützt den Eigentümer vor unrealistischen Erwartungen.

Häufige Fragen

Zu Ertragswertverfahren

Für welche Immobilien passt das Ertragswertverfahren?+

Vor allem für Mehrfamilienhäuser, Bürogebäude, Gewerbeimmobilien und vermietete Eigentumswohnungen. Bei selbstgenutzten Einfamilienhäusern ist das Vergleichswertverfahren sinnvoller, weil es keine Mieterträge gibt.

Was geht in die Ertragswert-Berechnung ein?+

Jahresrohertrag (Bruttomiete), abzüglich Bewirtschaftungskosten ergibt den Reinertrag. Davon wird der Bodenwertanteil abgezogen, der Rest wird mit dem Liegenschaftszinssatz und einem Vervielfältiger kapitalisiert. Das Ergebnis ist der Gebäudeertragswert plus Bodenwert.

Welche Rolle spielt der Liegenschaftszinssatz?+

Er ist der Hebel: Bei 4 Prozent Liegenschaftszinssatz und 30.000 Euro Reinertrag ergibt sich ein Vervielfältiger von rund 17. Bei 6 Prozent sinkt der Vervielfältiger auf rund 14 – der Wert sinkt um knapp 90.000 Euro bei gleichem Reinertrag.

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