Glossar · Flächen & Bewertung

Reinertrag

Auch: Nettomieteinnahmen, Jahresreinertrag

Jahresertrag nach Abzug der Bewirtschaftungskosten – die zentrale Größe im Ertragswertverfahren.

Der Reinertrag ist die zentrale Größe im Ertragswertverfahren. Er entsteht durch Abzug der Bewirtschaftungskosten vom Rohertrag und ist die Basis für die Kapitalisierung mit dem Liegenschaftszinssatz.

Was Makler bei der Bewertung wissen müssen

Im Investorengespräch ist der Reinertrag die wichtigste Kennzahl. Banken, professionelle Investoren und Gutachter rechnen auf dieser Basis. Eigentümer dagegen denken in Bruttomieten – das ist die häufigste Quelle für Preisdiskussionen bei Renditeobjekten.

Beispielrechnung: Mehrfamilienhaus mit 40.000 € Jahresmiete, 25 % Bewirtschaftungskosten, also 30.000 € Reinertrag. Bei einem Liegenschaftszinssatz von 4 % ergibt sich ein Ertragswert von 750.000 €. Eigentümer rechnen auf Basis der 40.000 € Bruttomiete und kommen mit Multiplikator 25 auf 1 Mio. € – die 250.000-€-Differenz erklärt der Reinertrag.

Im Verkaufsgespräch positionieren

Wer Eigentümern den Reinertrag transparent vorrechnet, schafft Akzeptanz für marktgerechte Preise. „Ihr Reinertrag liegt bei 30.000 € – mit dem örtlichen Liegenschaftszinssatz von 4 % ergibt das einen realistischen Marktwert von 750.000 €." Diese Aussage ist belastbar und entkräftet Wunschvorstellungen.

Wichtig: Bei sehr gut gepflegten oder modernen Objekten können die Bewirtschaftungskosten unter den Pauschalsätzen liegen. Bei alten oder problembehafteten Objekten oft darüber. Wer die individuelle Lage einschätzen kann, kommt zu realistischen Werten. Bei Bestandsimmobilien mit hohem Sanierungsbedarf gehört auch der zukünftige Aufwand in die Bewertung – sonst wirkt die Rechnung schöngerechnet. Investoren prüfen das immer und ziehen bei fehlender Transparenz oft 5 bis 10 % vom Preis ab.

Häufige Fragen

Zu Reinertrag

Wie berechnet man den Reinertrag?+

Jahresrohertrag minus Bewirtschaftungskosten. Bei 30.000 Euro Rohertrag und 7.500 Euro Bewirtschaftungskosten (25 Prozent) ergibt das einen Reinertrag von 22.500 Euro. Das ist die Basis für die Ertragswertberechnung.

Ist der Reinertrag das gleiche wie der Cash-Flow?+

Nein. Der Reinertrag ist ein Bewertungsbegriff, der pauschalierte Bewirtschaftungskosten ansetzt. Der Cash-Flow ist die tatsächliche Differenz aus Einnahmen und Ausgaben – inklusive Finanzierungskosten und Steuern.

Warum unterscheidet sich Reinertrag oft von der gefühlten Rendite?+

Weil Bewirtschaftungskosten oft unterschätzt werden. Eigentümer rechnen mit 5 Prozent Rendite auf Basis Rohertrag – nach Bewirtschaftungskosten bleiben aber nur 3,75 Prozent. Diese Differenz erklärt einen Großteil aller Preisstreitigkeiten bei Renditeobjekten.

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